Das Janitscharenkorps war das stehende Fußvolk des Osmanischen Reiches, vom Sultan besoldet und ihm unmittelbar unterstellt. Seine Gründung wird meist ins 14. Jahrhundert gelegt, in die ersten Jahre der osmanischen Expansion; über das genaue Datum und den Gründer sind sich die Historiker nicht einig. Rund fünfhundert Jahre lang war das Korps zugleich die wichtigste Streitmacht des Staates und zeitweise sein größtes politisches Problem.

Die Haustruppe des Sultans

„Janitschar“ kommt von türkisch yeniçeri, „neue Truppe“. Anders als die Sipahi-Reiter, die für Einkünfte aus Land kämpften, erhielten Janitscharen ihren Sold aus der Staatskasse, lebten in Kasernen und galten als Kapıkulu, als „Diener der Pforte“ des Sultans. So verfügten die Osmanen jederzeit über eine einsatzbereite Truppe.

Die Knabenlese

Lange wurde das Korps durch die Devschirme (Knabenlese) aufgefüllt. Ausgewählte Jungen aus christlichen Dörfern auf dem Balkan kamen nach Istanbul, lernten Türkisch und islamische Sitten und erhielten eine militärische Ausbildung. Die Begabtesten konnten bis in den Palastdienst und die höchsten Staatsämter aufsteigen. Auch der Baumeister Sinan kam so in die Hauptstadt; mehr dazu in unserem Artikel über Mimar Sinan.

Kessel, Kaserne und Bräuche

Essen und der Kochkessel spielten im Leben der Janitscharen eine zentrale Rolle. Einheiten trugen Küchentitel wie „Suppenkoch“ und „Koch“, und der Kessel war eines der Symbole des Korps. Ihn umzustoßen oder das Essen abzulehnen, gilt als Form des Protests der Soldaten. Die Mehter, die mit den Janitscharen verbundene Militärkapelle, begleitete Feldzüge und Zeremonien.

Aufstieg und Eroberungen

Die Janitscharen spielten in großen Feldschlachten und Belagerungen der Osmanen eine wichtige Rolle. Die Eroberung Konstantinopels und die Feldzüge Süleymans des Prächtigen werden mit dem Korps auf seinem Höhepunkt verbunden. Mehr dazu in Die Eroberung Konstantinopels.

Wandel und Aufstände

Mit der Zeit veränderte sich das Korps. Janitscharen durften heiraten und Gewerbe treiben, die Knabenlese wich anderen Formen der Anwerbung, die Listen wuchsen. Sold und Thronbesteigungsgeschenke führten oft zu Spannungen. Mehrfach waren Janitscharen an Ereignissen beteiligt, die zur Absetzung oder zum Tod von Sultanen und Wesiren führten; am bekanntesten sind die Ermordung Osmans II. 1622 und die Absetzung Selims III. 1807. Der Aufstand von 1730 wird im Artikel zur Tulpenzeit erzählt.

Das „Glückliche Ereignis“ (1826)

Bemühungen um ein Heer nach europäischem Muster stießen beim Korps auf Widerstand. Nach jahrelanger Vorbereitung ging Mahmud II. im Sommer 1826 an die Aufstellung der neuen Armee. Die Janitscharen erhoben sich und sammelten sich in Istanbul, wurden aber von sultanstreuen Truppen und Artillerie niedergeschlagen. Das Korps wurde aufgelöst und durch ein neues stehendes Heer ersetzt. Das Ereignis heißt Vaka-i Hayriyye, das „Glückliche Ereignis“.

Wo man es heute sieht

Um die Welt der Janitscharen in Istanbul nachzuempfinden, lohnt ein Spaziergang um den Hippodrom (At Meydanı) in Sultanahmet, wo sich wichtige Ereignisse der Zeit abgespielt haben sollen. Das Militärmuseum zeigt die Mehter-Tradition und die osmanische Militärgeschichte. Prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten und Vorführungen.